Auch ohne waschechte E3 und Gamescom dreht sich die Spielwelt weiter. Zum Glück teasert CD Projekt Red nun das Online-Event "Night City Wire" für nächsten Monat an, welches Neuigkeiten für die Fans verspricht. 

Das nächste digitale Event zu Cyberpunk 2077

Markiert euch den Donnerstag, 11. Juni 2020 im Kalender, denn an diesem Tag wird "Night City Wire" gesendet. Weitere Details zum Inhalt, der Länge, oder Uhrzeit der Sendung sind leider noch unbekannt. Wahrscheinlich wird man es auf den gängigen Streaming-Formaten betrachten können.

Nachdem die Spielemessen E3 und gamescom für dieses Jahr aufgrund des COVID-19-Virus abgesagt wurden, schwenkten viele Studios und Publisher auf digitale Alternativen um. Night City Wire ist das Programm von CD Projekt Red, welches beispielsweise in den Summer of Gaming von IGN oder das Summer Game Fest von Geoff Keighley eingebettet wird. Weitere individuelle Beiträge mit der Presse sind ebenfalls möglich.

Was steht auf dem Programm?

Was genau könnte Night City Wire sein? Denkbar wären ein Trailer oder neue Gameplay-Szenen, welche mit einem Panel oder einer Talkrunde verbunden werden. Ein vergleichbares Event wurde letztes Jahr nach der gamescom am 30.08.2019 als "Cyberpunk 2077 - Deep Dive" ausgestrahlt. Bisher ließ Global Community Lead Marcin Momot auf Twitter nur verlauten, dass man (neues) "Zeugs" zeigen werde und ansonsten schweigt CDPR zu weiteren Details. 

Es gibt haufenweise Dinge, die CD Projekt Red vor dem Release zeigen könnte. Der Techie ist nach dem Solo und Netrunner die letzte der drei großen Playstyles, von dem wir allerdings noch nicht viel wissen. Auf Gameplay mit dem kleinen Flathead-Roboter wären wir besonders gespannt. 

Lebenspfade sind ein wichtiger Bestandteil eures Charakters, der aus dem Tabletop-RPG Cyberpunk übernommen wurden. Bei der Charaktererstellung könnt ihr zwischen Corpo, Street Kid und Nomad wählen. Sie bestimmen, in welchem Umfeld V aufgewachsen ist, welche einschneidenden Erlebnisse ihr durchgemacht habt, ermöglichen euch aber auch Skillboni und Vorteile im Umgang mit Mitarbeitern der Megakonzerne, den Gangs der Stadt oder Nomaden im Spiel. CD Projekt Red erklärte bereits vor längerer Zeit, dass die Einleitung des Spiels von diesen drei Lebenspfaden abhängig ist und ihr deshalb am Anfang jeweils eine andere Geschichte in einem anderen Teil der Spielwelt erlebt. Möglicherweise geben uns die Entwickler diesen Sommer einen kleinen Vorgeschmack zum Einstieg ins Spiel. 

Night City ist ein riesiger Schauplatz und bisher haben wir hauptsächlich Teile von Westbrook und Pacifica kennengelernt. Ein kleiner Tapetenwechsel im Sommer wäre prima, um beispielsweise die Gangs The Sixth Street oder Tyger Claws in ihrer Heimat Vista del Rey und Japantown zu besuchen.

Viele kleinere Gameplay-Mechaniken sind bisher nicht erklärt. Wie genau funktioniert das Skillsystem, wie levelt man auf? Wie kann ich das Auto von V tunen? Wird man Braindance aktiv erleben oder gar steuern können? Können wir tiefer mit dem Net interagieren oder nur durch lokale Hacks? Wie laufen die Minigames im Spiel ab?

Um ein bessers Gefühl für das Leben in Night City zu bekommen, wäre ein kleiner Abstecher jenseits der Haupstory toll. Die Entwickler könnten eine Nebenquest mit unterschiedlichen Lösungswegen und kniffligen Entscheidungen präsentieren oder eine der Street Stories.

Nach dem Release von Cyberpunk 2077 sind mehrere kostenlose DLCs zum Spiel geplant sowie große, kostenpflichtige Addons, vergleichbar im Umfang mit denen von Witcher 3. CD Projekt Red will diesen Content noch vor dem Release des Hauptspiels im September ankündigen und Night City Wire wäre eine gute Plattform dafür, allerdings könnte die aktuell leicht angespannte Lage dafür sorgen, dass die Informationen kürzer vor dem Release (ehemaliger GC-Zeitraum) geteilt werden. Schließlich wäre es keine allzu gute Idee, den Fans, die seit Monaten auf mehr Gameplay zum verschobenen Videospiel warten, jetzt zuerst Content zu zeigen, auf den sie noch länger warten müssen und den sie ggf. extra bezahlen müssen. Hier sollte man zuerst Impressionen vom aktuellen Spiel bei den Fans einwirken lassen. 

Jedes Jahr machen wir bisher Bekanntschaft mit neuen wichtigen NPCs. Takemura ist ein bis dato unbekannter Charakter, der als Funko Pop geleakt wurde und erst kürzlich in einem Artwork von Fans ausgegraben wurde. Mit ein bisschen Glück lernen wir ihn diesen Sommer schon genauer kennen. 

Der Multiplayer (Arbeitstitel Cyberpunk Multiplayer) ist ein eigenständiger Triple-A-Titel, welcher komplett getrennt von Cyberpunk 2077 entwickelt wird und eher im Jahr 2022 erscheinen soll. Daher sollte er kein Thema für Night City Wire sein.

Trotz der eigens produzierten Samurai-Songs zusammen mit der Band Refused, stand der Soundtrack von Cyberpunk 2077 bisher eher im Hintergrund. Hoffentlich gibt's mehr auf die Ohren oder eine Hörprobe der Musik von den vielen Gastkünstlern. 

Die Stimmung der Fanbase ist angespannt

Fans von Cyberpunk 2077 hatten einen schwierigen Start ins neue Jahr. Nach der Tokyo Game Show 2019 wurde es im September langsam still um das Action-Rollenspiel. Ein Alternate Reality Game brachte Ende letzten Jahres die Köpfe der Fans zum Rauchen und war unterhaltsam, ein Abschluss oder eine mögliche Belohnung blieb bisher aus.

Im Januar atmete man zunächst auf, weil der Release im April 2020 in greifbare Nähe rückte, aber die schnell folgende Verschiebung des Erscheinungstages auf den 17. September 2020 war ein herber Schlag in die Magengrube.

In den folgenden Monaten hielt man sich durch neue Wallpaper und sehr überschaubare Infohäppchen zu den Gangs oder Megakonzernen ein wenig über Wasser, doch die Fans lechzten nach mehr Material aus dem Spiel.

Mit dem Coronavirus wuchs nicht nur die Angst vor einer weiteren Release-Verschiebung, die Spielemessen E3 und gamescom fielen in üblicher Form als Quell für neue Videos und Informationen aus Interviews/Previews aus.

Dass CDPR via Home Office problemlos an der QA-Testung und Optimierung von Cyberpunk 2077 arbeiten kann und demnächst die USK-Wertung ins Haus steht, sollte Fans zuversichtlich auf den verschobenen Release im September blicken lassen.

Weil das Spiel jetzt in einer kompletten Form vorliegt, wurden viele Fans ungeduldiger und kamen zu dem Wunsch oder Trugschluss, dass man Cyberpunk 2077 vorzeitig veröffentlichen könne, obwohl die Mehrzeit es zu einem besseren Spiel machen wird.

Im April kam es zu einer Verkettung von eher unglücklich geplanten Ereignissen. Mehrfach wurden unterschiedlichste Hardwarezubehör-Produkte oder Merchandise angekündigt, die bei der Fanbase schnell den falschen Eindruck erwecken konnten, lieber abzukassieren als ein fertiges Spiel oder neues Gameplay abzuliefern. Ein kleines ARG offenbarte Fans nach ein wenig Knobelei keinen Trailer zum Spiel, sondern einen vorzeitigen Blick auf eine limtitierte Xbox One X.

Die Aktion hinterließ einen bitteren Nachgeschmack, aber hier sollte man allerdings nicht vergessen, dass CD Projekt Red wahrscheinlich vor längerer Zeit Verträge mit den Partnerfirmen abgeschlossen hatte, welche einen Release der Produkte um den ursprünglichen Erscheinungstermin des Spiels am 16. April 2020 beinhalteten. Was negativ auffällt, ist aktuell in Wirklichkeit also weniger ein Zuviel an Produkten als einfach ein Fehlen des fertigen Spiels.

Die teils neckischen Kommentare oder animierten Gifs von CD Projekt Red auf Social Media am ursprünglichen Erscheinungstag im April rieben leider mehr Salz in die Wunde und der Tag verging ansonsten wie jeder andere.

Erwartungen etwas runterschrauben

Mit Night City Wire steht CD Projekt Red nun den sehr hohen Ansprüchen der leicht angesäuerten Fangemeinde gegenüber. Die 48 Minuten Gameplay aus 2018 waren toll, stellen aber in dem Umfang eher eine Seltenheit in der Videospielbranche dar, die dieses Jahr wahrscheinlich nicht wiederholt wird.

Trailer, langes Gameplay-Material und Demos für die Öffentlichkeit zu produzieren, ist ein massiver zeitlicher und personeller Aufwand für die Entwickler, die sonst weiter an wichtigeren Stellen des Spiels arbeiten könnten. Die Arbeit läuft aktuell eher weniger chronologisch zum Spielverlauf ab oder lokal in nur einer Ecke der Spielwelt. Vielmehr scheint man kontinuierlich an vielen unterschiedlichen Stellen zu testen, zu optimieren oder zu ergänzen.

So "kurz" vor Release müsste jedoch das Material für die Öffentlichkeit der Qualität des finalen Spiels entsprechen, um repräsentativ für das zu sein, was der Spieler am Release erhält. Jede Mülltonne, jedes Gegnerdesign, jede Textur, jeder Waffensound oder lustige Spruch vom NPC müssten absolut fertig sein.

CD Projekt Red hatte mit Witcher 3 bereits eine schlechte Vorgeschichte, was das Thema Downgrade angeht und das Studio war 2018 zunächst sehr restriktiv bei der Präsentation ihrer Vision für Cyberpunk 2077. Videospielentwicklung ist allerdings ein fluider Prozess und so ist auch die visuelle Qualität nicht von Anfang an in Stein gemeißelt. Dennoch würde sich CDPR wahrscheinlich angreifbar machen, wenn Videomaterial für die Öfffentlichkeit nicht dem entspricht, was später auf den eigenen BIldschirmen läuft. 

Es wäre daher wahrscheinlicher, dass ein Trailer gezeigt wird und zusätzlich kürzere Clips, die bestimmte Themen oder Zusammenhänge erläutern sollen. Ein ausufernder, einstündiger Gameplay-Marathon ist weniger realistisch.