Cyberpunk 2077 - Umzingelt

Diese Woche gibt's gleich drei gute Nachrichten auf einmal: Der Mehrspielermodus von Cybperunk 2077 tritt in die aktive Entwicklung ein; außerdem wird es nach dem Launch kostenlose DLCs und anschließend Addons für Einzelspieler geben. Die Stellenangebote für den Multiplayer geben vielleicht sogar genauere Hinweise darauf, was uns erwartet. 

Eins nach dem anderen

Bis der Multiplayer für Cyberpunk 2077 kommt, wird noch einige Zeit verstreichen. Das Team arbeitet mit Hochdruck an der Veröffentlichung des Hauptspiels am 16.April 2020 und das hat oberste Priorität. 

Danach plant CD Projekt Red die Veröffentlichung von kostenlosen Einzelspieler-DLCs für Cyberpunk 2077. Fans von The Witcher 3 kennen solche Gratis-Inhalte schon, denn damals wurden ganze 16 DLCs veröffentlicht, davon jeweils zwei pro Woche. Mit dabei waren z.B. neue Rüstungen, Animationen und Frisuren für Geralt, neue Quests, alternative Looks für wichtige NPCs und das New Game Plus.

Anschließend will man weitere Inhalte für Einzelspieler veröffentlichen und die könnten ähnlich umfangreich wie die Addons für Witcher 3 (Hearts of Stone und Blood & Wine) ausfallen. Beide Erweiterungen zu den Abenteuern von Geralt fügten nochmal mehr als 30 Stunden Spielzeit hinzu und waren dann kostenplfichtig, was für Cyberpunk 2077 dann wohl auch der Fall sein wird. 

Wenn also Cyberpunk 2077 veröffentlicht wurde, die Fans kostenlosen DLC genossen haben und noch weitere Spielstunden durch Erweiterungen, kommt irgendwann dann der Mehrspielermodus hinzu.

Vom Forschungsobjekt zum neuen Spielerlebnis

Ergänzte Multiplayer zu Singeplayer-Titeln genießen meistens keinen guten Ruf in der Gaming-Community. Sie wirken öfters aufgesetzt, lieblos gestaltet eher wie eine PR-Masche zum Release. Gerne wird kritisiert, dass man die Ressourcen lieber in einen besseren Einzelspielermodus hätte investieren sollen. 

Bei Cyberpunk 2077 scheinen diese Punkte jedoch bisher nicht zuzutreffen. Von etwa 450 Entwicklern arbeitet die Mehrheit in Warschau an dem Einzelspielererlebnis. Komplett räumlich getrennt beschäftigte sich das R&D-Team von CD Projekt Red  (Research & Development = Forschung und Entwicklung) im etwa 360 km entfernten Breslau bisher mit der Umsetzbarkeit eines möglichen Multiplayers. Etwa 20 Mitarbeiter wurden mit der Aufgabe betraut und selbst zur aktuellen E3 war man sich zumindest gegenüber der Öffentlichkeit noch nicht sicher, ob sich überhaupt irgendwann mehrere Spieler gleichzeitig in Night City austoben dürfen. 

Beim Herumexperimentieren ist demnach ein so großer Durchbruch gelungen, dass nun nach neuen Mitarbeitern gesucht wird, um die Entwicklung zu beginnen und das Team in Breslau zu verstärken. Bereits zum Halbjahresbericht des CDPR-Vorstandes wurde letzte Woche vorhergesagt, dass die Entwicklungsstandorte (Warschau, Breslau und Krakau) in Zukunft eigenständiger werden sollen.

Aktuell werden für den Mehrspielermodus acht neue Mitarbeiter gesucht: Ein 3D Character Artist, ein Design Director, ein DevOpsEngineer, ein Game Designer, ein Lead Q&A Analyst, ein Network Programmer, ein Senior Gameplay Programmer und ein Tools Programmer.

Was die Stellenangebote über den Multiplayer verraten

Ein genauerer Blick auf diese Stellenausschreibungen ermöglicht uns, einige Theorien zum Mehrspielermodus aufzustellen.

Zunächst wäre da der Design Director. Er soll derjenige sein, der die Vision hinter dem Multiplayer vorantreibt und es ist sehr interessant, dass CDPR hier den Begriff "unser Onlinespiel" verwendet und nicht einfach "den Onlinemodus von Cyberpunk 2077". Das suggeriert zumindest, dass man den Multiplayer als selbstständiges Spielerlebnis ansieht und nicht nur als Anhängsel des Einzelspielertitels. 

Der Design Director soll für die allgemeine Designleitung des Mehrspielers verantwortlich sein, inklusive der zentralen Gameplay-Mechaniken und Systeme. Er steuert die Stimmung des Spiels und soll zusammen mit seinem Game Designer innovative und spaßige Spielmechaniken beisteueren. 

Man muss laut der Jobbezeichnung keine Angst haben, dass der Mehrspielermodus nicht zu Cyberpunk oder zum anderen Teil des Videospiels passen würde, denn unter den täglichen Aufgaben des Design Directors steht direkt an oberster Stelle, dass er mit dem Head of Studo (Adam Badowski) und den Producern von Cyberpunk 2077 Kontakt hält, um eine stimmige Vision des Projektes aufrechtzuerhalten. 

Bemerkenswert ist die geforderte Erfahrung des Design Directors: CDPR erwartet, dass er bereits 10 Jahre in der Entwicklung von Triple-A-Spielen gearbeitet hat, bevorzugt mit Onlinegames. Es scheint also wichtig zu sein, dieses Projekt in erfahrene Hände zu geben und nicht an Newcomer. 

Für den Einzelspielermodus besitzt Cyberpunk 2077 natürlich bereits einen Design Director. Dabei handelt es sich um Konrad Tomaszkiewicz, der seit mehr als 15 Jahren bei CDPR arbeitet und zuletzt Game Director von The Witcher 3 war. 

Ein weiteres, interessantes Stellenangebot ist der 3D Character Artist. Er wird für ein "ambitioniertes Online-Projekt" gesucht und soll tolle Modelle zu Charakteren und Kreaturen entwerfen, die in die Welt von Cyberpunk passen.

Man könnte sich jetzt fragen, warum ein 3D Character Artist extra für den Onlinemodus des Spiels benötigt wird. Die Spielwelt in und um Night City wird zum Launch des Einzelspielertitels von vielen NPCs bewohnt sein, die man weiterverwenden könnte und jeder Spieler besitzt seinen eigenen Charaktereditor mit vielen optischen Gestaltungsmöglichkeiten.

CDPR will vielleicht der bestehenden Welt aus dem Singleplayer neue Charaktere für eine eigenständige Geschichte hinzufügen (neue NPCs, neue Gegner usw.). Die Entwickler könnten allerdings auch neue Charaktere für einen komplett anderen Schauplatz planen oder alternative Charaktermodelle für die Spieler (eher wie eine Art Avatar), die nichts mehr mit dem Charakter V zu tun haben. Eines ist sicher: Wir werden im Mehrspielermodus auf neue Gesichter treffen.

Der Network Programmer soll dafür zuständig sein, die Netwerkkomponente der Red Engine zu entwickeln und einzupflegen. Man kann vermuten, dass der Netzwerkcode wahrscheinlich in den Grundlagen vorliegt, damit die Forschungsgruppe von CDPR damit arbeiten konnte, er aber insgesamt noch in den Kinderschuhen steckt.

Zum Schluss noch eine weiteres kleines Detail aus den Stellenangeboten zum Multiplayer: Obwohl alle Jobs auf der Seite von CDPR formal unter der Kategorie "Cyberpunk 2077" geführt sind, wird der Spielname in keinem der acht Stellenangebote explizit erwähnt. Das ist zwar in manchen Jobangeboten zum Einzelspielermodus auch der Fall, könnte aber auch bedeuten, dass der Mehrspielermodus einen eigenen Namen haben wird und nicht bloß "Cyberpunk 2077 Online" heißen wird. Das unterstreicht wiederum die Idee, dass CD Projekt Red ein ganz eigenens Spielerlebnis schaffen möchte.

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