Cyberpunk 2077 - Pacifica, Voodoo Boys und Bozos

Im Nachgang der E3 saßen wir mit Senior Level Designer Miles Tost zusammen und plauderten über die aktuelle Demo von Cyberpunk 2077. Der deutsche Entwickler von CD Projekt Red enthülte dabei einige spannende Details zum Stadtteil Pacifica, dem Schauplatz der Demo, sowie zur wahren Identität der Voodoo Boys und einer möglichen Rückkehr der Horrorclowns aus Cyberpunk 2020.

It's a kind of magic

Die Voodoo Boys sind ein weiteres Beispiel dafür, wie CD Projekt Red die Wurzeln von Cyberpunk ehrt und weiterentwickelt. Früher waren die Voodoo Boys eine eher terroristische Gang, die teilweise in Drogengeschäfte und rituelle Morde verwickelt war. Damals gab es hauptsächlich weiße Mitglieder und nur wenigere Kontakte nach Haiti. Die Gang war hauptsächlich in der Hand von Männern, Frauen mussten besonders gewaltsam vorgehen, um sich zu behaupten und Federschmuck auf dem Kopf war ein Markenzeichen.

Als Spezialisten in Sachen Cyberspace und Hacking vollziehen sie in Cyberpunk 2077 Magie eher digital; die meisten Mitglieder sind schwarz und tragen schwarze, lange Ledermäntel. Brigitte muss sich in der Tat ordentlich durchgekämpft haben, um nun als Anführerin an der Spitze zu stehen.

Nachdem aufgrund der der globalen Erwärmung der Meeresspiegel zunehmend anstieg und Haiti langsam unterging, flohen viele Bewohner an das US-Festland und unter anderem nach Night City. Die kreolischen Einflüsse der Voodoo Boys stiegen an.

Auf die Frage hin, ob alle übernommenen Gangs in Videospiel so ein Facelift bekommen haben, antwortete der Senior Level Designer: 

"Tatsächlich gibt’s da einige Änderungen, ganz einfach auch weil das ursprüngliche Material aus 2020 kommt und unser Spiel Cyberpunk 2077 nun über 50 Jahre in der Zukunft spielt. Es handelt sich um die gleiche Zeitlinie, ist also Kanon und da hat sich einiges bei den Voodoo Boys getan, wenn wir jetzt einmal dabei bleiben. 

Die Gang, die wir jetzt haben ist noch nicht einmal die gleiche Gang, die es damals gab. Es ist vielmehr eine Gruppe von Menschen, die sich unter dem Banner der Voodoo Boys versammelt hat und sich irgendwie mit ihnen identifiziert.

Als kleines Geheimnis vielleicht sogar: Die Voodoo Boys, die wir im Spiel haben, nennen sich sogar gar nicht selbst so, denn es ist eher ein Name, den andere Leute der Gruppe gegeben hat. Sie haben allerdings einen eigenen Namen für sich. "

Ob der wahre Name der Voodoo Boys kreolisch ist bzw. ebenfalls aus Haiti kommt, wollte uns Miles Tost nicht verraten. 

Rückkehr der Horror-Clowns?

Unter den Gangs in Night City waren die Bozos aus Cyberpunk 2020 eine meiner Favoriten, wenn es um skurrile Ideen geht. Diese verrückten Clowns lieben es, Menschen zu quälen und ihnen böse Streiche zu spielen (wie z.B. einen voll besetzten Aufzug zu stoppen und mit Wasser zu fluten). 

Die Idee zur dieser Gang hatte Lisa Pondsmith, Ehefrau des Cyberpunk-Urvaters Mike Pondsmith. Man mag sich kaum vorstellen, was diese Gestalten mit der modernen Technik aus dem Jahr 2077 anstellen würden.

Werden wir die Bozos in Cyberpunk 2077 wiedersehen?

Miles Tost Antwort in unserem Interview: "Da müssen wir mal schauen (lächelt)."

Eine Runde auf dem Riesenrad

Pacifica ist einer der Stadtteile, die für das Videospiel aus der Pen&Paper Rollenspielvorlage Cyberpunk 2020 übernommen wurden. Ursprünglich sollten sich die Reichen und Mächtigen von Night City dort vergnügen, Urlaub machen und einen ganzen Batzen Eddies in Hotels, Einkaufszentren und Naherholungsgebieten versenken. Durch Unruhen sprangen vom Großprojekt immer mehr Investoren ab und ein ganzer Landstrich wurde in eine trostlose Bauruine verwandelt, die nun das Zuhause der Voodoo Boys ist.

Belesene Cyberpunk 2020-Fans wissen, dass in Pacifica ein großer Vergnügungspark stand, der uns in der E3-Demo zumindest nicht sofort ins Auge sprang. Wurde er für das Videospiel gestrichen? Wahrscheinlich nicht, denn das Riesenrad war auf einer der Postkarten zu sehen, die der Spielepackung von Cyberpunk 2077 beiliegen werden (siehe Newsbild Mitte). 

Ob wir im Videospiel wirklich mal eine Runde auf dem Riesenrad drehen könnten, wollten wir von Miles Tost wissen.

"Wir haben es da, aber ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob man es befahren kann oder nicht. 

Tatsächlich ist es so, dass man in der Demo im Hintergrund der Grand Imperial Mall einige Achterbahnen und sogar das Riesenrad sehen kann. Da muss man einfach das fertige Spiel abwarten und dann sehen, wie es da aussieht."

Demnach können Spieler in Cyberpunk 2077 tatsächlich einen Abstecher zum Vergnügungspark unternehmen. Miles ergänzte zur Arbeit mit der Rollenspielvorlage:

"Für uns ist es halt wichtig, diesen Bezug zum Original-Lore zu haben, ähnlich wie wir es auch schon bei The Witcher gemacht haben. Wir arbeiten gerne kleine Andeutungen und Easter Eggs ein für die Leute, die sich mit dem Originalmaterial und dem Pen & Paper Rollenspiel befasst haben.

Man stellt sich als Spieler des früheren RPGs, der die Voodoo Boys im Vorfeld schon kennt auch ganz andere Fragen als vielleicht jemand, der neu zum Spiel dazu stößt. Fragen wie 'Wie sind sie jetzt zu denen geworden, die sie gerade sind?'“

Mehr über Cyberpunk 2077 erfahrt ihr im Rest unseres großen E3-Interviews, welches dieses Wochenende auf Night City Life erscheint. 

(Bildquelle für die Bozos: Cyberpunk - Night City Quellenbuch, R. Talsorian Games, 1991, Seite 52)