Cyberpunk 2077 - Night City

Die Penny Arcade Expo (PAX) geht auf die amerikanischen Zeichner und Videospielfans Jerry Holkins und Mike Krahulik zurück, die mit ihren Penny Arcade Web-Comics Bekanntheit erlangt hatten. Schnell etablierte sich die Veranstaltung zu den wichtigsten Messen des Jahres, in denen Videospiele häufig im Rahmen von Panels präsentiert werden oder in denen Fragen vom Publikum beantwortet werden.

Cyberpunk 2077 spielt auf der diesjährigen PAX noch nicht mit, wohl aber der Vater der Rollenspielvorlage Mike Pondsmith. Wir zeigen euch das Video zum einstündigen Cyberpunk-Panel, in dem über die Anfänge von 2020 und 2077 gesprochen wird, sowie über die Zeitlinie oder z.B. die Gangs. Für Leser, die ungeduldig sind oder Cyberware für englische Übersetzungen benötigen, haben wir eine deutsche Zusammenfassung erstellt.

Das Video wurde von Mike Pondsmiths Verlag R. Talsorian Games bei YouTube hochgeladen. Der Fan von Cyberpunk und Redakteur bei Eurogamer, Johnny Chiodini, moderiert das Panel.

Die Anfänge von Cyberpunk

Cyberpunk begann mit einem Besuch im Kino: Mike Pondsmith war sich zwar anfangs nicht sicher, ob er Blade Runner liebte oder hasste, fragte sich aber dann, wie man ein Spiel daraus machen könnte.

Pondsmith fühlte sich bei Blade Runner an die Detektivgeschichten des Autors Raymond Chandler erinnert, in der ein Ermittler die schmutzigen Geheimnisse der Reichen und Mächtigen aufdeckt.

Während er an einer Idee zu einem Spiel feilte, entdeckte er das Buch Hardwired von Walter Jon Williams, von dem er sehr beeindruckt war.

Das erste große Erfolgserlebnis für Cyberpunk 2013 hatte Mike Pondsmith als er 300 Einheiten des Spiels auf der Gen Con innerhalb von 20 Minuten verkauft hatte.

Ein Kernpunkt von Cyberpunk ist das Nutzen von Technologie nach eigenem Belieben, ohne dass man aufgehalten werden kann. Laut Pondsmith fanden das Fans besonders cool, weil man häufiger im Leben nicht die Zügel in der Hand hält.

Als er gefragt wird, welche Auswirkungen und Inspirationen durch sein Spiel später zu erkennen sind und welche er besonders toll findet, nennt der Vater von Cyberpunk zunächst die Musik. Er liebt Techno und Electronica und heute gibt es im Gegensatz zu damals ganze Musikkanäle im Internet, die Cyberpunk gewidmet sind.

Er nannte aber auch die Arbeit vieler Fans dort draußen oder Ghost in the Shell: Stand Alone Complex, welches die Ideen von Cyberpunk sehr gut weiterführt.

Erneut hören wir, dass es bei Cyberpunk nicht darum geht, die Welt zu retten, denn es geht um deine persönliche Geschichte. Die Protagonisten sind keine Gewinner oder Helden wie Superman.

Zusätzlich geht es bei Cyberpunk darum, wie Leute die Technologie nutzen. Als Beispiel wird genannt, dass man heute mit dem Handy oder der Kamera eines Laptops das ganze Panel auf der PAX aufzeichnen konnte und früher dagegen von einem ganzen Videostudio abhängig war. Heute hat jeder von uns enorm viele Möglichkeiten mit einem einzigen Griff zum Handy.

Der dritte wichtige Aspekt von Cyberpunk ist die Macht und ihre ungleiche Verteilung. Die Technologie ist hier erneut das Werkzeug, um den fehlenden Zugang zu Macht, Geld, Essen oder Einfluss zu entkräften.

Wenn man es also nicht selbst in die Schlagzeilen der Zeitungen oder in die TV-Nachrichten schafft, könnte man z.B. das Handy nutzen, um sich Gehör zu verschaffen.

Mit Cyberware kann man sich selbst so verstärken, das man bei den Mächtigen mitspielen kann und z.B. ein Schlägertyp der Megakonzerne werden.

Die Anfänge von Cyberpunk 2077

In den 90ern beobachtete Mike Pondsmith wie sein Rollenspiel Cyberpunk auf Polnisch übersetzt wurde. Er sagt, dass er wahrscheinlich die ersten 5 Ausgaben an Mitarbeiter von CD Projekt Red verkauft hatte, die damals noch Schüler oder Studenten waren.

Ein Mitarbeiter von CDPR sagte ihm später: „Es gab bei uns Kommunismus und Cyberpunk - was glaubst du, was ich gewählt habe? Cyberpunk natürlich!"

Nachdem das polnische Entwicklerteam vorerst mit The Witcher fertig war, wollte man etwas im Science-Fiction-Universum machen und als man auf Cyberpunk kam, waren die Fans im Team sofort dafür.
CD Projekt Red rief Mike Pondsmith an, erzählte ihm von ihrer Idee und schickten ihm Witcher 2 nach Hause. Anschließend wurde er in das Studio nach Warschau eingeladen.

Ihm wurde die aktuelle Arbeit an Witcher 3 gezeigt, mit prozedural generierten Jahreszeitenwechseln, die man per Knopfdruck auslösen konnte.

Viele Mitglieder des Entwicklerteams sprachen Pondsmith darauf an, wie sie Johnny Silverhand, andere Charaktere und Dinge in ein Videospiel einbringen würde, die er selbst teilweise schon vergessen hatte.

Seit den 90er Jahren wurde er immer wieder von Leuten bedrängt, die irgendein Videospiel einfach nur mit einer Cyberpunk-Lizenz versehen wollten, um unter dem Banner Geld zu machen.

Er war daher besonders glücklich jemanden zu finden, der Cyberpunk wirklich liebt, etwas davon versteht und die Möglichkeiten und Kenntnisse hat, um ein anständiges Spiel daraus zu machen.

Mike Pondsmith arbeitete früher bereits bei Microsoft und war unter anderem dafür zuständig, Spielestudios mit Potential zu besuchen und zu beurteilen.

CD Projekt Red wusste allerdings nichts von seiner Vorgeschichte mit Spielen und wollte ihm Stück für Stück erzählen, wie eine Entwicklung des Spiels ablaufen würde. Pondsmith konterte mit Fragen zur Framerate und schnell war klar, dass nun noch jemand mit Videospielerfahrung am Team beteiligt war.

Dadurch weiß er genau, was in Cyberpunk 2077 funktionieren wird oder was nur beim Pen&Paper Rollenspiel Sinn ergeben hat. Er wird häufig bei Entscheidungen von CD Projekt Red zurate gezogen.

Die Gameplay-Demo hatte Mike Pondsmith bisher auch nur zwei Wochen vor der E3 bei CDPR in Warschau gesehen. Vorher hatte er immer nur mit Teilen des Teams gesprochen, z.B. über die Waffen, die ins Spiel kommen sollen. Dank der Entwickler, die an der Spielumgebung arbeiten, konnte er allerdings auch unterschiedliche Areale in Night City genauer betrachten.

Mike Pondsmith war endlich erleichtert darüber, mit allen auf der E3 genauer über Cyberpunk 2077 sprechen zu können. Er vergleicht es mit der Mitternachtspremiere von Indiana Jones, die er damals im Kino gesehen hatte, aber nicht mit anderen darüber sprechen konnte, weil er einer der ersten Zuschauer war und es nicht spoilern wollte.

Er ist begeistert von der Liebe zum Detail, mit der CD Projekt Red am Spiel arbeitet und wieviel sich innerhalb von drei Überarbeitungen oder innerhalb von 6 Wochen weiterentwickelt hat. Es gibt laut Pondsmith noch so viele tolle Dinge, die man erst beim Release von Cyberpunk 2077 bemerken wird.

Anstatt Vollzeit bei CD Projekt Red zu sein ist er alle paar Monate in Warschau, um mit Entwicklern Ideen auszutauschen. Selbst auf Veranstaltungen wie der E3 wird die gemeinsame Arbeit zum Teil fortgesetzt. Er ist unterschiedlich stark auf verschiedenen Ebenen involviert, aber Mike Pondsmith wollte jedoch keinen Job, bei er unter dem Schreibtisch schlafen muss, obwohl ihm ein Job als Questdesigner angeboten wurde.

Die Zeitlinie von Cyberpunk 2077

Interessant wird es bei der Zeitlinie, denn die soll laut Mike Pondsmith fortgesetzt werden, obwohl einige Schlüsselmomente von CD Projekt Red verändert wurden oder Charaktere wie Johnny Silverhand wieder zum Leben erweckt wurden. Wie dies passieren wird, bleibt noch geheim.

Man wird definitiv noch Dinge aus Cyberpunk 2020 sehen, die verändert wurden und auch eine Erklärung dafür erhalten, warum z.B. Mobiltelefone sich von der Größe eines Ziegelsteines im Laufe der Zeit auf die Größe eines Daumens reduziert haben und dann doch wieder größer wurden.

Allerdings ist es laut Pondsmith auch wichtig zu wissen, dass die Entwicklung von Technologie auch Plateaus erreichen kann. Menschen formen die Technologie basierend auf den Ansprüchen. Hybride aus Telefon und Tablet (Fablets) sind z.B. größer als gängige Mobiltelefone.

Über Night City

Mike Pondsmith hat Night City nach dem Disneyland-Prinzip konzipiert: Es gibt ein China-Land, ein Japan-Land, ein Mafia-Land und ein Konzern-Land.

Was in Night City wo zu finden ist wurde damals Block für Block festgelegt. Pondsmith hat tatsächlich den Prototyp für die gesamte Stadt in Sim City 2 entworfen, um ein Gefühl für das Layout zu haben.

Da die Stadt so umfangreich in der Rollenspielvorlage beschrieben wurde mit all den Gangs, der Politik und den Ereignissen, war sie eine sehr gute Vorlage für CDPR, um sie auch für Cyberpunk 2077 als Schauplatz zu wählen.

Es wurden natürlich Änderungen an der Stadt vorgenommen, sodass niemand aufgrund des Regelbuches „Night City“ genau wissen wird, wo was in der Stadt zu finden sein wird.

Morgan Blackhand

Morgan Blackhand ist ein Solo und war gleichzeitig auch Mike Pondsmiths persönlicher Charakter, wenn er Cyberpunk 2020 gespielt hat. Er taucht dagegen auch in anderen Regelwerken als Referenz und Top-Solo auf.

Er wird beschrieben als Mann mit eindeutigen moralischen Prinzipien, als ein Kavalier, der andere Menschen gerne bei ihren Zielen hilft. Anstatt Kinder zu töten würde er lieber die Leute töten, die ihm den Auftrag dazu gegeben haben.

Morgan Blackhand würde sich laut Pondsmith im Night City aus Cyberpunk 2077 sehr wohlfühlen, würde aber auch eindeutig schönere Plätze oder Apartments kennen als V, da er viel wohlhabender ist.

Morgan ist einer der Idole aus der Kindheit, die ihr in der Charaktererstellung von Cyberpunk 2077 wählen dürft.

Gangs in Night City

Mike Pondsmith freut sich darauf, zu sehen, was die einzelnen Gangs in Cyberpunk 2077 von Night City abbekommen werden.

Die Mahlstrom Gang haben wir bereits gesehen, aber er konnte bei CD Projekt Red einen Blick auf Zeichnungen weiterer Gangs werfen.

Seine Frau hofft, dass die Bozo Gang ebenfalls im Videospiel erscheinen wird, da sie von seiner ihr erschaffen wurden. Es handelt sich um verrückte, mörderische Clowns, die Menschen der Stadt mit ihren Ängsten terrorisieren. Sie lauern nachts den Einwohnen in ihren Apartments auf, sperren sie mit Ratten zusammen in enge Räume oder stoppen ihre Aufzüge, um sie anschließend zu fluten.

Mike Pondsmith selbst hofft auf die Rückkehr einer kleineren Gang namens Gilligans. Sie basiert auf den Charakteren der alten TV-Serie Gilligans Insel aus den 60er Jahren, allerdings sind alle von ihnen Kannibalen.

Interessante Antworten auf Publikumsfragen

Auf die Frage hin, ob Cyberpunk 2077 auch als Pen&Paper-Rollenspiel erscheinen wird, antwortete Mike Pondsmith: „Kein Kommentar, aber möglicherweise wahrscheinlich.“

Zur Egoperspektive: Night City ist eine dicht gepackte, vertikale Umgebung. Pondsmith führt erneut das Beispiel mit Gesprächen aus der Umgebung an. Man kann in der Egoperspektive potentielle Quests und interessante Charaktere viel besser wahrnehmen als in der Third Person Perspective.
Es ist viel spannender, wenn ich hinter mir höre, dass jemand mich mit der Waffe bedrohen will.
Auch die Erfassung der Situation und möglicher Bedrohungen ist bei Cyberpunk 2077 eine ganz andere. Bei The Witcher gab es in der TPP viel mehr Übersicht und es gab kaum Dinge, die sich vor dem Spieler versteckt haben.
TPP ist bei strategischen Spielen besser, bei dem man die gesamte Situation erfassen und dann alle Mittel richtig einsetzen muss.
Man wird sich zudem weniger vorsichtig durch die Straßen von Night City bewegen, wenn man in der TPP bereits Scharfschützen auf den Dächern meilenweit vorher erkennen kann.

Empfehlungen um sich auf Cyberpunk einzustimmen: Die Bücher von William Gibson, Die Matrix-Filme, Hardwired, Philip K. Dick, Snow Crash, Ghost in the Shell und insbesondere die Serie Ghost in the Shell: Stand Alone Complex.

In Cyberpunk Red, welches die Lücke zwischen dem vierten Konzernkrieg und Cyberpunk 2077 schließen wird, werden Spieler mit der Technologie neue Möglichkeiten haben, welche nach dem Ende des Krieges zurückgelassen wurde.