Cyberpunk 2077 - Diät

In unserem Interview erzählen wir euch von Michael, der mit ein bisschen Hilfe von Cyberpunk 2077 sein massives Übergewicht erfolgreich bekämpfte.

Für unsere heutige Cyberpunk 2077-Geschichte verschlägt es uns in die malerische, deutsche Stadt Erlangen. Sie ist die kleinste der insgesamt acht Großstädte Bayerns und mit ihrem Mix aus schöner Natur und vielen kleinen Geschäften, Kirchen und andern historischen Gebäuden nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch bei Studenten. Die Stadt ist ebenfalls eine der größten Standorte des deutschen Megakonzerns Siemens, welcher vor Ort mehr als 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. 

In Erlangen lebt Fachinformatiker Michael, der gerade erst seinen 40. Geburtstag gefeiert hat und riesiger Fan von Cyberpunk 2077 ist. Michael hat jedoch ein Problem: Er hat starkes Übergewicht oder besser gesagt hatte, denn das Videospiel hat ihm geholfen, sein Gewicht fast zu halbieren.

"Ich hatte seitdem ich mich erinnern kann schon Probleme mit dem Gewicht gehabt. Ich kam mit stolzen 6kg auf die Welt, was ja knapp das doppelte vom normalen Gewicht ist.

Etliche Versuche endeten mit dem Jojo-Effekt und torpedierten mich letztendlich auf meine 200kg Maximalgewicht. Das war vor fast einem Jahr am 14.06.2019."

Wenn Keanu Reeves dein Leben rettet

Es gibt viele gute Gründe für eine erwünschte Gewichtsabnahme: Sich selbst wieder attraktiver fühlen, als Vorsorge für eine gesunde Zukunft, um in das gewünschte Kleidungsstück zu passen, dem eigenen Partner zu gefallen, sportliche Ziele zu erreichen, fitter in das neue Jahr zu starten, die Bikinifigur zurückzugewinnen usw. 

Die wenigsten Menschen würden jedoch von sich behaupten, dass Cyberpunk 2077 der Grund für ihre Diät war. Wie kam Michael bloß auf diese Idee?

"Die E3 und der Auftritt von Keanu Reeves waren tatsächlich der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte und der Moment, in dem ich wirklich einen starken Willen verspürt hatte, jetzt endlich mal ernsthaft etwas gegen mein Problem zu unternehmen.

Ich war da so glücklich, dass mein Lieblingsschauspieler ausgerechnet in dem Spiel mitmacht, worauf ich mich am meisten freue. Ich hielt das irgendwie für ein Zeichen...klingt albern, ich weiß *lacht*. 

Die E3 war dann dieser 'magische Moment', in dem es Klick gemacht hat. Ich dachte mir, dass ich nicht einfach wieder nur ein Jahr auf ein Spiel warten will -  ich will die Zeit auch mal sinnvoll nutzen.

Ich stellte mir an diesem Tag vor, wie es wäre, schlank am PC zu sitzen, gesund, ohne Schmerzen, und so das Spiel zu erleben und zu genießen."

Michael ist Langzeit-Fan von CD Projekt Red und hat eine ganz persönliche Verbindung zur Firma. Er wurde in Polen geboren und wuchs bis zu seinem siebten Lebensjahr dort auf. Er kennt das Land und erinnert sich an die Zeit, in der die Firma damals gegründet wurde.

"Marcin Iwinski ist in meinen Augen ein großes Vorbild. Was er zusammen mit seinem Freund aufgebaut hat ist der absolute Wahnsinn. Ich finde die Interviews mit ihm klasse."

Er liebt GOG.com und die Witcher-Reihe abgöttisch und kam so letztendlich zu neuesten Werk des polnischen Entwicklerstudios. Und Keanu Reeves - warum ist er in Michaels Augen so besonders?

"Keanu Reeves ist einfach nur genial. Seine Filme - Matrix, John Wick, Johnny Mnemonic... und er ist als Mensch sehr interessant, zumindest kommt er mir so bei den ganzen Interviews rüber. Er und Jean Reno sind meine Lieblinge... schade, dass sich Leon - der Profi und John Wick nicht mehr begegnen können *lacht*!"

Der französische Schauspieler Jean Reno mit der markanten Nase und einem Faible für griesgrämige Charaktere in Actionfilmen und Komödien ist übrigens auch einer meiner Lieblingsschauspieler. Mit den Filmen von Luc Besson gelang Reno insbesondere als Auftragskiller in Leon - der Profi an der Seite von Natalie Portman in den 90ern der internationale Durchbruch. Ähnlich wie Keanu Reeves gelang es so Jean Reno, eine Rolle in einem Videospiel zu ergattern, damals in Capcoms Samurai-Survival-Horror Onimusha 3: Demon Siege aus dem Jahr 2004. Ein großartiges Spiel, da sind Michael und ich uns einig. 

Als Fan hat Michael natürlich die gesamte Filmkarriere von Keanu Reeves verfolgt:

"Er hat ja auch recht viele gemacht, leider waren auch ein paar mittelmäßige bis schlechte dabei, aber auch in diesen hat er mir meistens gefallen.

Der erste Matrix-Film ist mein Lieblingsfilm. Einer der wenigen Filme, bei dem ich mich ertappt habe, hin und wieder zu überlegen, ob das alles nicht vielleicht wirklich so ist. Coole Story, nette Charaktere und eine packende Atmo.

Super finde ich auch noch 'Gefährliche Brandung' und 'Viel Lärm um Nichts'."

Übergewicht - eine gefährliche "Volkskrankheit"

Um das Gewicht einer Person medizinisch abzuschätzen, benutzt man den so genannten Body Mass Index oder kurz BMI. Man erhält den BMI, wenn das Körpergewicht durch den Wert geteilt wird, den man erhält, wenn man die Körpergröße mit sich selbst multipliziert.

Eine Frau mit einer Körpergröße von 1,7m und einem Gewicht von 60,28kg hat z.B. einen BMI von etwa 20,86:

Ab einem BMI von mindestens 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Fettleibigkeit (Adipositas Grad I). Mit einer Körpergröße von 1,90m und 200kg Körpergewicht lag Michaels BMI vor einem Jahr bei etwa 55, was dem schlimmsten Grad III der Fettleibigkeit entspricht, auch Adipositas permagna genannt.

Laut der letzten Datenerhebung des Robert Koch Institutes sind zwei Drittel der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen (23 % der Männer und 24 % der Frauen) ist fettleibig/adipös.

Ein so starkes Übergewicht verursacht nicht nur psychische oder soziale Belastungen, denn auch die körperliche Gesundheit leidet enorm, was Michael ebenfalls zum Umdenken brachte.

"Es gab natürlich noch andere Gründe, die auch etwas 'ernsthafter' sind. Der Fakt, dass ich mit 200kg alles andere als gesund und glücklich bin, ich aber bei dieser Krankheit doch sehr viel ändern kann, was andere bei anderen Krankheiten ja oft nicht mehr können.

Mein Arzt sagte mir Anfang 2019, dass ich es nicht mehr lange mache, wenn ich weiter auf dieser Schiene fahre.

Das war damals hart, aber es war die Wahrheit. Und wer, wenn nicht der Arzt, sollte jemanden wie mir soetwas ins Gesicht sagen. Dafür bin ich ihm heute auch sehr dankbar.

Ich wollte meinen Eltern auch zeigen, dass ich mein Leben in den Griff bekomme. Sie sind nicht mehr die Jüngsten und ich wollte ihnen diese große Sorge nehmen. Besser spät als nie."

Übergewicht begünstigt viele weitere Erkrankungen, welche tödliche Folgen haben können. Die meisten Betroffenen leiden an Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Gelenkverschleiß, aber auch die Wahrscheinlichkeit für Depressionen, bestimmte Tumore, Demenz, Bluthochdruck, die Blutzuckerkrankheit (Typ-2-Diabetes), Herzgefäßerkrankungen und Schlaganfälle sind deutlich erhöht. 

Laut einer Langzeitstudie des Departments of Epidemiology and Public Health am University College London war das Risiko für die Blutzuckerkrankheit, Erkrankung der Herzkranzgefäße sowie für einen Schlaganfalls bei übergewichtigen Personen doppelt so hoch, bei Patienten mit einer Adipositas Grad I bereits fünfmal höher und bei Auftreten einer schweren Adipositas Grad II oder III sogar um das 15-fache gestiegen. 

Übergewicht kann bereits im Kindesalter beginnen und zeigt in Deutschland leider einen negativen Trend: Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher hat sich gegenüber den 1980er- und 1990er-Jahren um 50 Prozent erhöht.

Es gibt viele Faktoren, die Übergewicht begünstigen. Einer davon ist wie in Michaels Fall das hohe Gewicht bei Geburt. Rauchende und übergewichtige Eltern, eine ungesunde Ernährung, sitzende Tätigkeiten und wenig Bewegung, wenig Schlaf und soziale Aspekte (niedrigerer Bildungsstand, schlechter Familienzusammenhalt oder mangelnde Betreuung nach der Schule) spielen ebenfalls eine Rolle. 

Gute Nachricht übrigens für alle Gamer: Laut einer Studie von Turel und Kollegen aus dem Jahr 2017 besteht zwar die Möglichkeit, dass abendliche Videospielsessions bei Kindern und Jugendlichen vier Stunden vor dem Schlafengehen zu einem unruhigen Schlaf und dadurch indirekt zu Übergewicht führen könnten, eine große Analyse der Universität Würzburg aus 2019 stützte dagegen die allgemeine wissenschaftliche Auffassung, dass Videospielen nur zu sehr geringen Anteilen Übergewicht bedingen könnte (nur zu etwa 1% bei Erwachsenen). 

Wie sich Übergewicht langsam einschleichen kann, konnte ich am eigenen Leib erfahren. Seit meiner Kindheit und bis zu meinem Studiumsende war ich mit 1,97m Größe und 85kg eher der schlacksige Typ. Sport mochte ich noch nie, aber Desserts und süßes Gebäck umso mehr. Das fiel zusammen mit einem Job, den ich hauptsächlich sitzend ausübe, gepaart mit wenig Schlaf (Gamingsessions, Artikel schreiben, Nachtdienste im Krankenhaus). Als meine Frau schwanger wurde, wuchs auch mein Bauch über die letzten neun Monate zusätzlich an (wieso gab's in der Kantine auch täglich frische Waffeln?), sodass ich jetzt fast 25 Kilo mehr wiege als zu Beginn meines Jobs. 

Ran an den Speck

Wenn man beim Friseur oder Arztbesuch einmal quer durch die Magazine blättert, findet man eigentlich in jeder Ausgabe die angeblich besten Diättips, sowohl für Männer als auch für Frauen. Jeder glaubt, die goldene Idee gefunden zu haben.

Dabei besteht der so genannte Goldstandard einer erfolgreichen Gewichtsreduktion aus drei Grundpfeilern: Eine Veränderung des Verhaltens bzw. der Psyche, eine Veränderung der Ernährung und zu guter Letzt der eigenen Bewegung. 

Da saß Micheal also nun am Abend des 9. Juni 2019 und hatte gerade eben zur E3-Pressekonferenz von Xbox  beschlossen, innerhalb eines Jahres sein Gewicht von etwa 200kg auf 108kg zu reduzieren. Wo fing er an und was tat er als Erstes? Die Veränderung begann nach langer Zeit im Kopf:

"Je schwerer man ist, desto weniger kann man tun, bzw. desto weniger Energie und Lust hat man, um etwas zu machen. Ich hab schon immer gerne gegessen. Das tu ich heute vermutlich noch genau so gerne. Allerdings habe ich diese Fresssucht im Griff.

Ich hab damals hauptsächlich nur deshalb ständig gegessen, um voll zu sein. Das Gefühl satt zu sein verflog dann aber meist nach 30-60min und ich hatte wieder Hunger. Da einen Ausweg heraus zu finden ist wirklich schwierig gewesen. Ich habe dafür 39 Jahre gebraucht *lacht*!"

In der dunklen Zukunft des Videospiels Cyberpunk 2077 ist der menschliche Körper eher wie eine Art Leinwand oder ein Stück Ton, das nach Belieben geformt und verändert wird. Das angeborene Aussehen und die Möglichkeiten innerhalb der Grenzen des Körpers reichen nicht mehr aus, weswegen die Menschen zu Cyberware greifen, um Körper und Geist zu erweitern. "Dein wahres Ich ist nicht genug" ist ein Motto des Spiels und ich wollte von Michael wissen, ob dieser Slogan ihn auch bei seiner Einstellung sich selbst gegenüber beeinflusst hat. 

"Ich habe mir tatsächlich Gedanken gemacht, was die Menschen beim Thema Übergewicht in Cyberpunk 2077 machen. Es gibt da ja immer noch übergewichtige Menschen  - z.B. Dexter DeShawn. Offensichtlich kann man das dort auch nicht einfach per Inplantat bzw. einer OP beseitigen.

Vermutlich wird man V nicht übergewichtig erstellen können. Find ich schade, ich habe in Spielen, da wo es möglich war, immer gerne dickere Charas gespielt.

Vielleicht wird es Zeit, auch mal einen schlankeren zu spielen *lacht*!"

Eine gesunde Einstellung reicht zum Abnehmen allerdings nicht und wie bereits erwähnt, hält die Literatur tonneweise Meinungen parat, was man in der Praxis tun sollte. Michael griff zu großen Anteilen auf Wissen zurück, welches er zuvor jahrelang ignorierte. 

"Ich war auf etlichen Kuren und hatte bereits schon ein fundiertes Wissen, was genau ich machen muss, um gesund abzunehmen. Etliche Ernährungsberatergespräche die damals wahrscheinlich nicht, aber jetzt doch letztendlich sehr geholfen haben.

Weitere Dinge konnte ich dann aus dem Internet rauslesen, wobei da leider auch viel Müll steht und man wirklich aufpassen muss. Ich gehe regelmäßig zum Arzt , also viermal im Jahr, was ich auch jedem empfehlen würde, der so etwas vor hat.

Ich machte mir nach diesem Tag noch ein paar Tage Gedanken und legte dann los. Ernährungsumstellung und täglich raus. So viel wie es damals möglich war. 1km...2km...egal... Hauptsache raus, und täglich."

Dr. Jessica Bartfield von der Loyola University fand in einer Studie die vier häufigsten Gründe heraus, warum Diäten scheitern. Zwei der Gründe sind, dass Menschen häufig die Kalorien ihrer Mahlzeiten drastisch unterschätzen und die verbrannten Kalorien durch Bewegung stark überschätzen oder unrealistische sportliche Ziele planen.

Michael hat mit seiner transparenten Ernährung und Bewegung alles richtig gemacht:

"Kurz zur Ernährung: Weniger Fett und Kohlenhydrate... mehr Eiweiß. Genug trinken. 1800-2000kcal am Tag. Nicht hungern, Gemüse und auch Obst. Alles notieren und im Auge behalten.

Mit der Bewegung genau so. Benutze da 2 Apps die einem das Leben wirklich erleichtern in so einem Fall.

Methoden gibt es viele. Meine Methode muss nicht bei jedem funktionieren. Es gibt aber Methoden die in meinen Augen falsch sind, von Grund auf. Ich würde nie jemanden empfehlen <1000kcal zu essen, wenn er dauerhaft eine große Menge abnehmen will. Das wird nicht funktionieren... und ist auch ungesund auf Dauer. 

Allerdings finde ich Fasten nicht ganz verkehrt. Man sollte bloß wirklich wissen, was und wie lange man da macht. Ich persönlich habe fast von Anfang an Intervallfasten mitgemacht... also 8h essen und 16h Pause. Immer so zwischen 14-22Uhr gegessen. Hat gut geklappt nach einer Weile. Man hat halt weniger Zeit für diese ganzen Zwischenmahlzeiten und Snacks."

Bei der o.g. Studie war ein schlechtes Timing der Mahlzeiten ebenfalls einer der vier Gründe für das Scheitern einer Gewichtsreduktion, allerdings wurden dabei Mahlzeiten alle 5 Stunden über den ganzen Tag empfohlen, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten.

Hatte Michael einen Personal Trainer oder war er täglich im Fitnesstudio? Welche Bewegungen waren für ihn am besten?  

"Bewegung war bei mir immer nur Spazieren bzw. Nordic Walking und seit knapp zwei Monaten wieder Fahrrad. Da freue ich mich heute immer noch sehr drüber, denn das ging seit meinem 18. Geburtstag gar nicht mehr."

In der Welt von Cyberpunk sind die meisten Nahrungsmittel raffiniert und abgefertigt. Die bekannteste Mahlzeit ist Kibble: trockene, körnige Nuggets, welche mit Vitaminen Mineralien und einem geringen Anteil echter Proteine überzogen sind. Ob Michael auch mal so Proteinriegel oder andere Nahrungsergänzungsmittel für Leistungssportler probiert hat, wollte ich wissen.

"Ich habe teilweise Eiweißpulver benutzt, um auf meine 150-200g am Tag zu kommen. Allerdings schmeckt mir das Zeug nicht wirkich und meine Oma würde sich im Grab umdrehen, wenn sie das gesehen hätte. Sie hat mir Kochen beigebracht, zu meinem Glück und gleichzeitig Verderben.

Da ich jetzt allerdings die Kontrolle habe, weiß ich, wie man was Gesundes zubereitet. Stehe als eher auf das, was ich kenne und weiß, was drin steckt *lacht*.

Andere Dinge habe ich nicht ausprobiert. Ich kann also nicht sagen ob sie sinnvoll und gut sind.

Ich bin dann eher so einer, der bei Cyberpunk 2077 eine 'Bladerunner' Noodle-imbissbude besuchen würde und sich mit dem Wirt um die Anzahl der Fleischbällchen streiten würde...Kibble würd ich dann nur im Notfall futtern *lacht*."

Der letzte Grund für eine gescheiterte Diät war laut der Studie an der Loyola University übrigens zu wenig Schlaf. Weniger als sechs Stunden Schlaf führt zu einer erhöhten Ausschüttung des Hormons Ghrelin, welches den Heißhunger auf fettiges und kohlenhydrathaltiges Essen ankurbelt. Zudem erhöht sich im Blut der Spiegel des Stresshormons Kortison, welches eine Gewichtszunahme ebenfalls begünstigt.

Weil eine so große Gewichtsreduktion sicher eine enorme Challenge für ihn war, wollte ich von Michael wissen, ob es nicht auch ein paar schwache Momente gegeben hat.

"Tage, an denen ich abends Hunger hatte...Tage, an denen ich absolut keine Lust hatte, rauszugehen.... und Tage, an denen ich das Gefühl hatte, dass das alles keinen Sinn macht und ich es eh wieder nicht schaffen würde

Wobei das eigentlich nicht ganze Tage sind, sondern nur Momente, aber die hauen einen teilweise um wie Rocky *lacht*.

Mein Rezept war es, einfach weiterzumachen, auch wenn die Waage mal nicht das zeigte, was man sehen wollte. Einfach weiter, Tag für Tag und es wurde immer besser. Die Erfolge kamen, manchmal früher, manchmal später, aber sie kamen."

Alle helfen mit, auch CD Projekt Red

Ja, ich habe auch ein paar Abnehmprojekte hinter mich gebracht und mit Apps recht gute Erfolge erzielt. Allerdings nervten mich die motivierenden Erinnerungen meiner Running-App auf dem Smartphone eher und ich konnte mir nicht vorstellen, dass die zusätzlichen Social Media Tools irgendeinen Sinn ergeben würden. Ich traute mich nicht, ein Ziel von -10kg für einen Stichtag festzulegen, und die Leute im Netz wissen zu lassen. Kleine Schritte wie vielleicht 3kg fand ich dagegen zu banal, um sie zu teilen.

Doch gerade das ist ein Fehler, denn selbst ein einziger Partner mit vergleichbaren Zielen oder gleich das gesamte soziale Umfeld können einen enormen Beitrag zum Erfolg einer Gewichtsreduktion leisten, wie Michael weiß:

"Meinem Umfeld habe ich das erst nach 2-3 Monaten verklickert. Man will ja nicht erneut mit einem Plan prahlen, der dann eh wieder scheitert.

Ich war am Anfang natürlich wiedermal alles andere als zuversichtlich, dass es diesmal klappt. Allerdings war ich deutlich motivierter, das hab ich von Anfang an gefühlt.

Meine Eltern und mein Bruder waren dann die ersten, denen ich es gesagt habe. Sie merkten da auch schon die ersten Veränderungen, denn am Anfang nimmt man ja sehr schnell ab."

Wenn man stark übergewichtige Menschen über viele Jahre kennt und sich eine erneute Diät ankündigt, reagiert man vielleicht mit Skepsis. Wie war es in Michaels Fall?

"Sie waren alle sehr froh, denke ich. Das Umfeld und vorallem die Menschen, denen man wichtig ist, machen sich ja Sorgen in so einem Fall.

Man nimmt das selbst nicht so wahr, aber es ist so. Ich mein, bei mir ist es doch genauso, wenn jemand krank ist und derjenige mir wichtig ist. Man macht sich Sorgen und Gedanken und hofft, dass derjenige wieder gesund wird und ein gutes und schönes Leben hat.

Alleine ist man auf dieser Welt ziemlich aufgeschmissen. Ich bin da aufjedenfall immer glücklich und sehr zufrieden gewesen. Man bekommt ja oft mit das das alles andere als selbstverständlich ist."

Welche Rolle spielten für Michael die sozialen Medien?

"Eine eher geringe, habe ich ehrlich gesagt gedacht.

Mein 'Twitter-Projekt' ist mir eine große Hilfe gewesen und ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Es hat mich sehr motiviert. Es hilft einfach, sich etwas beobachtet und kontrolliert zu fühlen.

Dieser kleine Druck hilft an Tagen an, denen man denkt: 'Ach heute lass ich es mal sein.'

Heute würde ich jedem empfehlen, das genau so zu machen. Man muss sich die Motivation von überall holen und dankbar sein, dass es Menschen draußen gibt, die mit einem mitfiebern und einen aufbauen und auch einen netten Spruch auf Lager haben, wenn's mal nicht so läuft.

Mittlerweile informiere ich mich auch mehr über Twitter und Instagram. Man könnte also sagen, ich gewöhne mich langsam dran *lacht*.

Ich meine, jeder von uns will akzeptiert und wenn möglich sogar gelobt werden. Dafür sollten wir uns nicht schämen. Und wir zwingen ja in diesem Moment niemanden. Es kann motivieren und das ist das Wichtigste."

Zu Michaels Unterstützern auf Twitter gehören auch einige Mitarbeiter von CD Projekt Red, wie z.B. unsere deutsche Community Managerin Carolin Wendt oder Senior Communications Manager, Läufer und Radsportexperte Pawel Burza, mit dem Michael bereits Kontakt hatte. 

"Da habe ich mich besonders gefreut. Hab auch schon paar Sätze mit ihm gewechselt. Er kommt ja eher aus der Gwent-Sparte,in der ich jetzt nicht so tief sitze, allerdings ist er ja ein absoluter Sportfanatiker. Denke, dass ich ihm deshalb aufgefallen bin. Auch wenn ich jetzt meinen 'Sport' nicht mit seinem vergleichen kann. Naja jeder fängt mal klein an *lacht*."

Auf dem Siegertreppchen

Zum Zeitpunkt unseres Interviews befand sich Michael mit 111 kg bereits auf der Zielgeraden seines unglaublichen Projektes.

Auf seiner Twitter-Timeline fand ich folgenden Beitrag, in dem er ein bisschen auf seine Reise zurückblickt:

Ich fragte ihn, ob sich sein altes Ich wie eine Bauruine gefühlt hat und wie sich jetzt seine Selbstwahrnehmung geändert hat.

"Wie eine Baustelle im Endstadium fühle ich mich immer noch, aber ganz sicher nicht mehr wie eine Ruine *lacht*.

Ich kann's nicht glauben ehrlich gesagt. Die Zeit verging so schnell. Ich kann mich heute noch ganz gut an die ersten Läufe erinnern. 

Vor allem brauche ich noch Zeit, mich an mein Äußeres zu gewöhnen. Ich konnte mit meinem Spiegelbild (mit 200kg) nichts anfangen, und heute wundere ich mich auch, dass ich das sein soll mit meinen aktuellen 110kg. Natürlich ist das heute angenehm. Das war es damals überhaupt nicht.

Auch wenn ich die 108kg vllt. nicht ganz erreiche... 90kg nehme ich auf jeden Fall ab. Und bis September ist noch viel Zeit.

Ich wäre aber schon froh, wenn ich das Gewicht bis dahin und natürlich für immer halten werde. Allerdings versuche ich dann noch ein paar Kilos loszuwerden... allerdings nicht mehr so streng mit einem Zeitplan verbunden."

Um permanente Spuren eines enormen Übergewichts rechtzeitig zu verhindern, ist es am besten, so früh wie möglich dagegen anzukämpfen. Welchen Rat hätte Michael seinem jüngeren Ich gegeben?

"Ich hätte damals nicht auf mich gehört, ich hab auf niemanden gehört. Vielleicht wäre es das, was ich meinem früheren Ich gesagt hätte...Dass mich das nicht weiterbringt im Leben."

Meiner Meinung nach hat Michael Enormes geleistet und ist ein Vorbild für viele andere. Und wer weiß, vielleicht entwirft CD Projekt Red auch ein Achievement in Cyberpunk 2077, welches ihm gewidmet ist?

"Hehe, das wäre lustig. Ich freue mich schon sehr auf das Game.

Ich hoffe, dass CDPR einen großen Erfolg damit hat und das wir auch noch weiterhin von ihnen Spiele in dieser Qualität bekommen. Gibt nicht mehr so viele die soetwas machen oder anders gesagt, es gibt immer mehr die soetwas nicht können."

Darauf freut sich Michael im Spiel am meisten:

"Auf die Story und auf die Atmosphäre. Gespannt bin ich, wie es sich spielerisch anfühlen wird. Shooter und Fahrzeuge steuern ist ja Neuland für CDPR. Bin gespannt, ob sie das gut hinbekommen."

Heute, zwei Wochen nach unserem Interview hat Michael sein Ziel erreicht und wiegt bei 1,90m knapp 108kg. Zur Feier des Tages bezeichnete ihn der offizielle Twitter-Account von Cyberpunk 2077 als "den wahren Cyberpunk"

Michael und ich haben aktuell übrigens eine vergleichbare Figur und gelten per Definition beide weiterhin als übergewichtig. Ich will vielleicht nicht wieder zurück zu meinem alten Gewicht vor über 10 Jahren, aber Dank Michael schöpfe ich jetzt neuen Mut, dass dieser Bauch endlich verschwindet. 

Ich danke Michael für das ausführliche Interview. Folg ihm auf Twitter und unterstützt ihn bei seinen weiteren Vorhaben!

Twitter.com - MikeLee2077