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Bei Cyberpunk 2077 sind die Level Designer diejenigen, die einen Level das erste Mal in die Hand nehmen. Sie entwickeln die Blaupause und überlegen sich die Grundrisse eines Levels. Sehr früh spricht man sich mit den Quest Designern ab, wo einzelne Handlungen stattfinden sollen und wie die Distanzen innerhalb eines Ortes sein müssen. Nach Überarbeitung der Grundidee fertigt der Level Designer dann mit recht grober Geometrie einen ersten Entwurf an, der weiter überarbeitet wird, da der erste Gedanke oft nicht der richtige ist. Level Designern geht es also nicht darum, einen Level hübsch zu gestalten, denn er muss seine Funktion erfüllen. Erst wenn alles stimmt, setzt sich der 3D Artist mit dem Level auseinander, um ihn optisch ansprechend zu gestalten.

Miles Tost ist ein ein Mitglied der hohen Zunft der Level Designer. Nach seinem Abitur zog er 2010 von Kaltenkirchen nach Berlin, um nach seinem Studium am SAE Institute Berlin 2012 mit einem Bachelor in Interactive Animation abzuschließen. 2013 fing er als Junior Level Designer bei CD Projekt Red an und brachte für seine Arbeit an The Witcher 3 zudem Erfahrung als QA-Tester mit. Im Verlauf der kommenden Jahre und der Expansions von The Witcher 3 besaß Miles die Posten Level Designer und Level Design Coordinator. Aktuell bastelt er als Senior Level Designer tolle Umgebungen für Cyberpunk 2077.

Im Nachgang der E3 sprachen wir mit Miles unter anderem über die Gangs von Night City, Herausforderungen beim Level Design, sowie über die Interaktivität und Bewegungsfreiheit innerhalb der Spielwelt. Ihr erfahrt außerdem mehr darüber, wie beim Hacking die Begriffe Quickhack, Cyberdeck, Memory und Daemons zusammengehören oder was es mit den Street Stories auf sich hat. 

Night City Life: Die Voodoo Boys haben es aus Cyberpunk 2020 nach einem kleinen Facelift ins Spiel geschafft und wirken insgesamt etwas friedlicher als früher. Wurden alle übernommenen Gangs ein wenig gepimped? Sie scheinen zudem ein anderes Verhältnis zu ihrer Umgebung zu haben als z.B. der Mahlstrom.  

Miles Tost: Tatsächlich gibt’s da einige Änderungen, ganz einfach auch weil das ursprüngliche Material aus 2020 kommt und unser Spiel Cyberpunk 2077 nun über 50 Jahre in der Zukunft spielt. Es handelt sich um die gleiche Zeitlinie, ist also Kanon und da hat sich einiges bei den Voodoo Boys getan, wenn wir jetzt einmal dabei bleiben. 

Die Gang, die wir jetzt haben ist noch nicht einmal die gleiche Gang, die es damals gab. Es ist vielmehr eine Gruppe von Menschen, die sich unter dem Banner der Voodoo Boys versammelt hat und sich irgendwie mit ihnen identifiziert.

Als kleines Geheimnis vielleicht sogar: Die Voodoo Boys, die wir im Spiel haben, nennen sich sogar gar nicht selbst so, denn es ist eher ein Name, den andere Leute der Gruppe gegeben hat. Sie haben allerdings einen eigenen Namen für sich. 

Ist der Name auch haitianisch oder kreolisch, da bei der Gang jetzt viele dieser Einflüsse dabei sind?

Das kann ich dir leider nicht sagen.

Mike Pondsmith sagte einmal, dass die Bozos seine Lieblingsgang in Night City sind, u.a. weil seine Frau die Idee zu den mordlustigen, verrückten Clowns hatte. Werden wir die Bozos in Cyberpunk 2077 wiedersehen?

Da müssen wir mal schauen (lächelt). 

V besuchte in der Demo den Stadtteil Pacifica. Es gab viele Bauruinen zu sehen, also z.B. unfertige Hotels und verlassene Einkaufszentren. Mir blieb der Stadtteil aus den Büchern in Erinnerung, weil dort der Vergnügungspark Playland by the Sea steht. Den Park gab's bei euch bisher nur auf einer Postkarte zu sehen. Darf ich denn in Cyberpunk 2077 wirklich irgendwann mal mit dem Riesenrad fahren? 

Wir haben es da, aber ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob man es befahren kann oder nicht. 

Tatsächlich ist es so, dass man in der Demo im Hintergrund der Grand Imperial Mall einige Achterbahnen und sogar das Riesenrad sehen kann. Da muss man einfach das fertige Spiel abwarten und dann sehen, wie es da aussieht.

Cool, das klingt doch schon mal so als könnte man dahin einen kleinen Abstecher machen.

Für uns ist es halt wichtig, diesen Bezug zum Original-Lore zu haben, ähnlich wie wir es auch schon bei The Witcher gemacht haben. Wir arbeiten gerne kleine Andeutungen und Easter Eggs ein für die Leute, die sich mit dem Originalmaterial und dem Pen & Paper Rollenspiel befasst haben.

Man stellt sich als Spieler des früheren RPGs, der die Voodoo Boys im Vorfeld schon kennt auch ganz andere Fragen als vielleicht jemand, der neu zum Spiel dazu stößt. Fragen wie „Wie sind sie jetzt zu denen geworden, die sie gerade sind?“

Placide hat in der Demo gesagt, als er sich in unseren Geist eingeklinkt hat, dass Victor so etwas wie unser Seelenschamane war. Ihr hattet einmal mitgeteilt, dass es unterschiedliche Ripperdocs im Spiel gibt, zu denen man gehen kann, aber inwiefern stellt Victor da eine Sonderrolle dar? Kannst du uns etwas darüber erzählen?

Ja schon, insofern, dass es eher was mit den Voodoo Boys an sich zu tun hat. Sie vergöttern Cyberspace sogar oder sind davon besessen. Für sie stellt Alt Cunningham eine Art Gottheit dar als erste Netrunnerin, die sich im Netz digitalisiert hat.

Das führt dazu, dass sie fast eine Art religiöses Vokabular verwenden für alles, was mit dem Net zu tun hat.

Deshalb fallen auch die Ripperdocs mit darein, weil sie andere mit der nötigen Cyberware ausstatten. Die Voodoo Boys bezeichnen Ripperdocs deswegen als „Chrome Shamans“. 

Ok und wieso ist Victor hier scheinbar etwas besonderes als Ripperdoc? Lag es einfach daran, dass wir ihn schon aus der letzten Demo kannten oder gibt es da eine tiefere Bindung zu V? 

Da kann ich nicht Genaueres zu sagen, ohne die Story zu spoilern. 

Man kann aber schon sagen, dass er einer der persönlicheren Ripperdocs ist. Es ist vielleicht ein doofes Beispiel, aber stell dir vor du kennst einen Feuerwehrmann oder Arzt persönlich. Den bevorzugst du dann auch und gehst vielleicht eher zu ihm.