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Braindance

Braindance ist eine virtuelle Realität und persönliche Unterform des Net, welche den Nutzer unzählige Medien konsumieren lässt (z.B. Nachrichten, Berichte, Musikvideos, Videospiele, fiktive Geschichten), aber auch komplette Erlebnisse, welche von anderen Personen aufgenommen oder editiert wurden.

Braindance wurde in der Welt von Cyberpunk von der Doktorandin Yuriko Sujimoto im Jahr 2007 an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz entwickelt. Mit dieser Technik zeichnete sie zunächst ihre Erinnerungen, Gefühle und Sinneswahrnehmungen auf. 

Die Technik wurde weiter verfeinert und sollte später zur Therapie und Rehabilitation von Straftätern genutzt werden, danach sogar als Kriegssimulator mit der Hilfe von Militech. 

Kommerzielle Dienstleistungsunternehmen produzieren Content häufig dadurch, dass Mitarbeiter Dinge erleben, die für normale Menschen unmöglich sind (zu teuer, zu weit weg, zu gefährlich). Die Erlebnisse werden live aufgezeichnet und dann von Technikern editiert und aufbereitet.

Braindance erlebt man entweder in einer Kino-Kabine, die man besucht, als Stream in einer Art Abo-Service oder mit teuren Datenträgern von Zuhause aus.

Natürlich gibt es einen großen Markt für sexuelle Inhalte und interaktive Pornos (z.B. 3 mouths - 1 desire: Sasha Devon Experience), sowie einen Schwarzmarkt für perverse und illegale Inhalte. 

Lange Zeit wurde von den Fans spekuliert ob und wie Braindance in Cyberpunk 2077 eingebaut wird. Auf unserem Anspiel-Event und während Night City Wire wurde dieses Spielelement erstmals vorgestellt. 

Im Prolog des Spiels verschafft euch die Braindance-Expertin der Moxx, Judy Alvarez eine Einführung in den Braindance.

Auf den ersten Blick erinnert es an diverse Detektiv-Tools, wie ihr sie aus den Batman-Videospielen oder zuletzt Detroit: Become Human kennt. 

Im Tutorial beschäftigt ihr euch mit einem so genannten Flatliner, einem Braindance, bei der die Hauptperson während ihrer Aufzeichnung verstorben ist. 

Im Wiedergabemodus seht ihr die Erinnerung eines Straßenganoven, welcher mit seinem Kumpel einen Laden ausraubt und anschließend erschossen wird.

Der Bearbeitungsmodus lässt euch dagegen die gezeigten Szenen genauer unter die Lupe nehmen, wobei ihr die Kameraperspektive ändern dürft, Vor- und Zurückspulen könnt und zwischen unterschiedlichen Aufnahmeebenen wechseln könnt. Denn im Clip sind nicht nur visuelle Daten enthalten, sondern z.B. eine Tonspur, mit der ihr etwa noch draußen vor dem Laden über die Lüftungsschächte belauschen könnt, was drinnen geschieht. 

Durch Herumspielen mit den Daten der Braindance-Aufnahme entdeckt ihr schließlich, dass eine Überwachungskamera den Überfall auf den Laden aufgezeichnet hat und bei stärkerem Zoom erfahrt ihr sogar, dass der Komplize den Flatliner von hinten eiskalt erschossen hat, um alleine den Gewinn einzusacken.

CD Projekt Red hat meiner Meinung nach eine schöne Art und Weise gefunden, diesen Bestandteil der Cyberpunk-Welt in ein spielbares, wenn auch wohl bekanntes Feature umzuwandeln. Ich denke jedoch, dass es die Spielergemeinde hinterher spalten könnte. 

Viele werden es wie ich bestimmt als willkommene Auszeit von einem sonst eher actionlastigen Gameplay auffassen, bei der man sich einmal anders mit der Spielwelt auseinandersetzt, um neue Hinweise und Informationen zu sammeln. Seitdem ich den ersten Tatort im Gameplay-Trailer sah, wollte ich solche Fälle gerne in Cyberpunk 2077 lösen. Ich erkenne hier außerdem eindeutige Blade Runner-Vibes, schließlich habe ich die Bildanalyse im damaligen Spiel von Westwood geliebt.

CDPR verspricht einen düsteren Einblick in das Leben anderer Stadtbewohner, in der z.B. auch Kindheitstraumata, Religion und philosophische Ideen thematisiert werden. Für Liebhaber des Cyberpunk-Genres klingt das schon mal super. 

Ich fragte Miles Tost, ob es auch Braindance-Material für die Spieler gibt, das nur zur reinen Unterhaltung konsumiert werden kann (z.B. Urlaubsvideos von Einwohnern, klassische Filme etc.). Da ein einzelner Braindance für die Entwickler sehr aufwändig sei, konzentriere man sich in Cyberpunk 2077 eher auf die Detektivarbeit, um ein Problem zu lösen oder neue Informationen zu erhalten. 

Braindance taucht später im Prolog an einer wichtigen Stelle der Hauptquest auf, die ich ebenfalls sehr interessant fand, zumal hier ein ganz anderer Layer im Bearbeitungsmodus zum Einsatz kam.

Ich bin gespannt, wie Braindance später erzählerisch verpackt wird und ob die Aufklärungsarbeit weiterhin so motivierend bleibt wie das, was ich in der Preview sehen konnte. 

Diese Detailsucherei könnte manchen Spielern jedoch zu dröge erscheinen und es besteht die Gefahr, dass die Scan-Aktionen zu repetitiv werden könnten.

Soweit ich weiß kann man Braindance auch auf Wunsch im Spiel einfach missachten und z.B. in der Mainquest ohne einen wichtigen Hinweis sein Glück versuchen.