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Wow, nach vier Stunden mit Cyberpunk 2077 war ich erst mal baff. Night City ist ein monströses, schönes, aber auch hässliches und brutales Biest, das man in so kurzer Zeit gar nicht richtig erfassen kann.

Die Atmosphäre der Spielwelt hat mich sofort in ihren Bann gezogen und obwohl ich mich fast nur umgeschaut habe, habe ich kein schlechtes Gewissen, denn hinter jedem Pixel steckt unheimlich viel Liebe für das große Cyberpunk-Universum. Zwar könnt ihr selbstverständlich nicht jedes Gebäude betreten, die Geschichte jedes NPCs abrufen oder an jeder Ecke Items einstecken, aber hier greifen großartiges Art Design, ausgeklügeltes Level Design und eine tolle Audio-Untermalung perfekt ineinander, um eine Welt zu erschaffen, in die ich am liebsten sofort einziehen möchte.

Das Spiel erlaubte es, dass ich mir Zeit nehme, Räume nacheinander nach Details absuche, in PCs herumstöbere oder Tablets durchforste wie damals in Deus Ex. Generell ist das Tempo des Spiels sehr angenehm und Cyberpunk 2077 öffnet sich dem Spieler gegenüber langsam, ohne ihn mit hilfesuchenden NPCs und Spielfeatures von Anfang an zu überfordern.

Es mag sein, dass sich die Bewunderung für die Spielwelt vielleicht irgendwann einmal abnutzen könnte, aber dann bleibt ein Action-RPG, das unglaublich komplex ist und euch dennoch so viele Freiheiten lässt, einen Charakter zu spielen und auszuleben wie wahrscheinlich bisher kein anderes Game. Der von euch gewählte Lebenspfad, die Dialoge, eure Attribute und Skills, der Tod oder das Überleben von NPCs, das Erforschen eurer Umgebung - alles hat Auswirkungen darauf, wie ihr Quests lösen könnt und wie sich die Story vor euch entwickelt. Ein hoher Wiederspielfaktor versteht sich von selbst.

Mit 5 Attributen, 12 Skilltrees und meiner Schätzung nach mindestens 228 Skills, die sogar noch mehrere Level haben können, stehen die Voraussetzungen gut, dass ihr euren Traum-Charakter erstellen könnt, egal ob als Ninja, Meisterhacker, Revolverheld, Scharfschütze oder muskelbepackter Solo mit richtig dicken Kanonen. Leider konnte man nicht weiter ins Spiel hineinblicken, um zu sehen wie einzigartig sich die jeweiligen Pfade auf einem hohen Spielerlevel entwickeln.

Unterstützt wird die spielerische Freiheit auch beim Aussehen, denn Cyberpunk 2077 verfügt über einen riesigen, teils auch ziemlich skurrilen Charakter-Editor und eine Trennung von Bekleidung und ihren Stats. Das bedeutet, dass euer Charakter so aussehen kann wie ihr wollt und die Eigenschaften wie Rüstung und andere Boni durch entsprechende Mods dem Item hinzugefügt werden können oder untereinander ausgetauscht werden können. Das klingt sehr vielversprechend, doch leider konnten wir das Crafting nicht ausprobieren, da es aktuell überarbeitet wird. 

Die Action, das Hacking und insbesondere die Shooter-Elemente von Cyberpunk 2077 gefällen mir wirklich gut und machen richtig Spaß, auch wenn auf den ersten Blick der Nahkampf  dagegen spielerisch weniger Abwechslung zu bieten scheint als der Fernkampf mit drei unterschiedlichen Waffentypen. DIe Zeit reichte allerdings nicht aus, um diesen Teil genauer bewerten zu können.

Seit der großen Enthüllung des Gameplays im Jahr 2018 sind nun über zwei Jahre vergangen. Das sind fast die Hälfte bis 2/3 der duchschnittlichen Entwicklungszeit vieler Videospiele (3 bis 5 Jahre). Dabei können sich in Games viele Dinge ändern und CDPR hat die Augen scheinbar weiterhin auf die RPG-Elemente gerichtet und Ballast abgeworfen wie Wall-Running, Car Tuning, Bahnfahrten, komplexere Enviromental Takedowns und die Robotersteuerung durch den Techie. 

Die meisten Veränderungen oder Überarbeitungen kann ich nachvollziehen (Hacking ist auch besser geworden), nur der Abschied vom Flathead-Roboters als Begleiter schmerzt mich sehr, ebenso das Einkürzen der cineastischen Takedowns in der Umgebung und das Fehlen eines Diebstahlsystems. Beim Roboter hoffe ich auf eine Rückkehr als DLC. 

Nachdem wir über die Komplexität des Gameplays und der Queststrukturen gesprochen haben, kann man sicher nachvollziehen, dass sich hier viele Bugs ergeben können. Man kann nicht die Augen davor verschließen, dass Cyberpunk 2077 wirklich immer noch spürbare Bugs hat. Diese Bugs sind jedoch allenfalls lustig oder lästig, stellten jedoch in meiner Anspielzeit niemals eine Gefahr für die Stabilität des Spiels oder das Weiterkommen in einer Quest dar. Cyberpunk 2077 benötigt allerdings auf jeden Fall die längere Zeit im Ofen, um am 19. November wirklich knusprig zu sein.

Das Anspielevent hat mich heiß gemacht auf mehr und mich in meinem Dasein als Fan des Spiels weiter bestätigt. Die Chancen stehen sehr gut, dass uns in November ein absoluter Action-RPG-Hit erwartet.

Aufgrund meiner Erlebnisse mit dem Spiel zeichnet Nigh City Life Cyberpunk 2077 erneut mit dem "Worth the wait"-Award aus, der dieses Jahr wieder von unserer Grafikerin Annika Ibels (@AnnikaIbels) entworfen wurde.