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Cyberpunk 2077 zeigte mir in dieser Demo wie facettenreich und cool das Gameplay und insbesondere der Kampf sein können. Environmental Takedowns, Gegnerhacks und provozierte Unfälle sehen sehr geil aus. Hacker und Solo verfolgen unterschiedliche Strategien, die prima in Szene gesetzt werden. 

Ich freue mich schon sehr darauf, alle Möglichkeiten durch die unterschiedlichen Skills meines Charakters auszureizen und neue Wege oder ganze Areale zu entdecken.

Pacifica ist im Spiel genau so geworden wie ich mir gewünscht habe: chaotisch, verkommen und in der Hand von Gangs. Als Analogie zu unterschiedlichen Landschaften mit einer eigenständigen Bevölkerung in der Welt von The Witcher erhalten wir hier ebenfalls einen visuellen Kontrast zum bunten Treiben im Stadtteil Watson und einen eigenständigen kulturellen Kontext mit einer Gang, die Wurzeln aus Haiti beisteuert.

Keanu Reeves ist ein Hauptgewinn für‘s Spiel und es ist genial, dass er nicht nur irgendein Kameo in Cyberpunk 2077 haben wird, das nach vordergründiger Promo riecht, sondern als Johnny Silverhand eine zentrale, wenn nicht sogar die zweitwichtigste Rolle in der Geschichte haben wird. Der Twist am Ende der Demo mit einer möglichen Rückkehr von Alt Cunningham und Ausflüge in die Tiefen des Cyberspace sind super vielversprechend und decken eine komplett andere Facette der Welt von Cyberpunk ab. 

Löblich ist die Arbeit von Lead Composer und Music Director Marcin Przybyłowicz zu erwähnen, von der wir im Vorjahr noch nicht viel hören konnten. Seine Songs sind teils befremdlich synthetisch, teilweise pulsierend und spannungsgeladen, aber immer genau passend zum Moment. Sie haben Charakter und bleiben in Erinnerung.

Die Referenzen und die Treue zum Ausgangsmaterial Cyberpunk 2020 sind überall erkennbar. Ich mache mir da zusammen mit der Unterstützung von Urvater Mike Pondsmith überhaupt keine Sorgen, dass zu wenig Cyberpunk im Spiel stecken könnte. 

Visuell beeindruckte die Demo nicht so sehr im Vergleich zum Vorjahr, was natürlich auch an der nüchterneren Umgebung lag. Die optische Inszenierung des Net und die Übergänge in die Tiefen des Cyberspace gegen Ende der Demo sind dagegen einfach der Hammer. Die runden Animationen und der Tageszyklus wussten zu gefallen und die Charaktermodelle schienen einen Tick detailreicher zu sein als 2018. Die Egoperspektive stellt sich erneut als richtige Entscheidung heraus, um dem Spiel Dramatik zu verleihen.

Die heiß ersehnte Vorstellung des Netrunners fiel mir pesönlich etwas zu flach aus. Ein geübter Netrunner könnte spurenlos in ein System eindringen und Kämpfe komplett vermeiden. Wenn man das Spiel ohne Töten beenden kann, hätte CDPR in der Demo perfekt einen kompletten Schleichdurchgang eines Netrunners demonstrieren können, welcher bisher nur durch KO-Schläge angedeutet wurde. Die Vorlage Cyberpunk 2020 bietet genug, nicht tödliche Programme und Cyberware, die einen Netrunner lautlos und nahezu unsichtbar machen können. Vielleicht scheute man sich hier zu sehr, Parallelen zu Deus Ex zu ziehen, bei dem Jensen zuletzt Schleichprothesen an den Füßen, Elektroschockerprojektile und dermale Tarnvorrichtungen besaß. 

In die gleiche Kategorie fällt das Hacking als Minigame. Vorab erhält CDPR jetzt von mir großes Lob, sich an einem solchen Minigame überhaupt zu versuchen, denn ich hatte es mir sogar von Herzen gewünscht. Wenn diese an zentrale Gameplay-Elemente gebunden sind, können sie häufig zu langweilig, zu nervig oder zu einfach sein. Das stellt eine große Herausforderung an die Entwickler dar. So richtig verstanden habe ich das Minigame jedoch nicht und ebensowenig offenbarte sich mir die Challenge für den Spieler. Gibt es ein Zeitlimit? Was passiert, wenn ich versage? Wie hängt das mit dem Hackingskill zusammen? Kann ich nur bei sehr einfachen Hacks das Minigame überspringen? Gibt es auch Hackingskills, die man auf Gegner anwenden kann, ohne sie sofort zu töten?

Wenig zu berichten gab es über das eigentliche Rückgrat eines RPGs: Attribute und Skills. Was genau hat der Netrunner hier zu bieten, welche Möglichkeiten habe ich beim Levelaufstieg und wie gestaltet sich der Skilltree? Wo ist der Techie? Über all das huscht man in der E3-Demo zu schnell hinweg. Das liegt wahrscheinlich daran, dass CD Projekt Red einfach einen anderen Fokus bei der Demo gelegt hat und wir vom Techie bestimmt mehr auf der Gamescom sehen werden. Denn sonst könnte man diese Verschwiegenheit als Unsicherheit seitens der Entwickler werten, was ich bei solch zentralen Gameplay-Elementen weniger als ein Jahr vor dem Release als beunruhigend empfinden würde.

Vielleicht bin ich hier einfach zu kritisch, weil ich mir für die Demo weniger „coole Kämpfe“ und mehr traditionelle RPG-Elemente gewünscht hätte: Mehr Erkundung der Spielwelt, mehr Interaktion mit einzigartigen, interessanten NPCs am Wegesrand, mehr persönliche Schicksale und gelöste Nebenquests. 

Cyberpunk 2077 ist auf dem richtigen Weg, aber vielleicht sollte CD Projekt Red bei kommenden Präsentationen mehr die Stärken ausspielen, durch die die Firma bekannt geworden ist.