Beitragsseiten

Wir waren für euch auf der E3 in Los Angeles und haben satte 50 Minuten Gameplay von Cyberpunk 2077 gesehen, die uns von CD Projekt Red live vorgespielt wurden. In der neuen Demo besuchen wir den von der Öffentlichkeit verlassenen Stadtteil Pacifica und lernen eine komplett neue Gang aus Night City kennen. In unserem auführlichen Preview führen wir euch durch das Gameplay und teilen unsere Eindrücke.

Gleich zum Start der Demo gehen wir in den Charaktereditor, in dem kurz durch völlig unterschiedliche Einstellungen gewechselt wird mit Varianten der Gesichtsform, Hautfarbe oder Frisur. Laut CDPR könnte man sogar einen Charakter behalten, der wie ein Vampir aussieht. Aussehen bzw. Hautfarbe können bereits darüber entscheiden, wie eure Umgebung auf euch reagiert. 

Die Hintergründe von V hat man im Vergleich zur letzten Demo auf drei heruntergebrochen: Nomad, Streetkid und Corporate. Mehr Optionen hätte den Entwicklern wahrscheinlich noch mehr Kopfschmerzen bereitet, denn bereits letztes Jahr deutete Quest Designer Patrick Mills an, dass durch die unterschiedlichen Querverweise und Konsequenzen viele Quests noch einmal deutlich überarbeitet werden mussten. 

Bereits zu Beginn der Demo ist Johnny Silverhand an unserer Seite und kommentiert derbe so etwas wie „Keinen Schwanz interessiert, wie du aussiehst“

Nachdem der Charaktereditor zugeklappt wurde, sehen wir mehr von unserer Umgebung. Wir sind am helllichten Tag in Pacifica, einem Stadtteil von Night City, der ursprünglich als Naherholungsgebiet für Mitarbeiter der Megakonzerne geplant war. Hier stand in der Rollenspielvorlage Cyberpunk 2020 der Vergnügungspark Playland by the Sea und es sollten prunkvolle Hotels und Einkaufszentren entstehen. Zerrüttet durch Unruhen sprangen immer mehr Investoren ab, sodass viele Gebäude erst gar nicht fertiggestellt wurden und Pacifica so in eine trostlose, graue Betonwüste verwandelten. 

Der Schauplatz stellt somit einen krassen Gegensatz zu Watson aus der Demo im Vorjahr dar, der mit grünen Palmen, Neonreklame und dem Gewusel der Menschen lebendig wirkte.

Einzige Farbkleckse in Pacifica sind momentan Graffitis wie „Wo ist Johnny?“ oder ein einzelnes Neonschild im Form eines christlichen Kreuzes. Das ist auch unser Ziel - eine Kirche. Dort soll unser Kontaktmann sein, der die Verbindung zu den Vodoo Boys herstellt.  

Denn der Neurochip, den V letztes Jahr in der Gameplay-Demo ergattern konnte, soll den Schlüssel zur Unsterblichkeit enthalten. Um mehr darüber zu erfahren, will V Brigitte treffen, die Anführerin der Voodoo Boys.

In der Kirche stehen viele Menschen mit Mänteln und Kapuzen, wiegen sich nur leicht hin und her, fast wie in Trance. Ein Prediger hält in einem kaum verständlichen, wahrscheinlich mit einem starken kreolischen Akzent versetzten Englisch eine anfeuernde Ansprache. 

V tritt näher an einen Mann heran, der den Codenamen „Poor Man“ trägt. „Bist du Placide?“ „Nein, aber ich kann dich zu ihm bringen. Hier ist es nicht sicher.“

Hier lernen wir die Übersetzungscyberware kennen. Wir hören teilweise Kreolisch, lesen die passenden Untertitel dazu, die dann wie durch einen Wischeffekt von links kommend ins Englische übersetzt werden. Im Spiel wird V unterschiedliche Sprachen erlernen können und die Kenntnisse im Verlauf der Story verbessern. Während der Demo verbleiben noch einige Schnitzer in der Übersetzung, wobei nicht klar ist, ob das durch Vs mangelnde Kenntnis bedingt ist oder ein wenig kulturellen Charakter erhalten soll.

Wir folgen dem Mittelsmann nach draußen und bewegen uns an alten Baustellen entlang und über große Vorplätze hinweg. Es geht weiter bis zu einer Schlachterei, in der Placide arbeiten soll. Wir betreten das Gebäude durch den Vordereingang. Es ist ein bisschen düster und schäbig, aber immerhin hängen hier große Schinken mit synthetischem Fleisch. Die Voodoo Gang scheint für sich im Jahr 2077 zumindest einen gewissen Grad an Wohlstand etabliert zu haben, denn früher im Jahr 2020 konnte sich der Großteil der Bevölkerung nur Kibble leisten (trockene, körnige Nuggets, die mit einem Geringen Anteil echter Mineralien, Vitamine und Proteine überzogen sind).

V fragt sich in der Fleischerei herum und wird häufig mit einem desinteressierten Abwinken weiter vorangetrieben. Schön flüssig sehen die Animationen der Charaktere dabei aus und hier macht sich wohl das hauseigene Motion Capture Studio von CDPR bezahlt.

Wir finden Placide mit einem großen langen Schlachtermesser in der Hand. Zum Glück ist er uns freundlich gesinnt, denn schließlich haben wir einen Deal: Wir klären für die Voodoo Boys ein Problem und erhalten im Gegenzug ein Treffen mit Anführerin Brigitte.

Denn auch die Voodoo Boys haben seit 2020 einige Veränderungen durchlebt. Früher waren sie eine eher terroristische Gang, die teilweise in Drogengeschäfte und rituelle Morde verwickelt war. Damals gab es hauptsächlich weiße Mitglieder und nur wenigere Kontakte nach Haiti. Die Gang war hauptsächlich in der Hand von Männern, Frauen mussten besonders gewaltsam vorgehen, um sich zu behaupten und Federschmuck auf dem Kopf war ein Markenzeichen. In der Welt von Cyberpunk 2077 scheinen die Voodoo Boys eher auszusehen wie ein Fanclub von Morpheus aus den Matrix-Filmen. Als Spezialisten in Sachen Cyberspace und Hacking vollziehen sie Magie eher digital; die meisten Mitglieder sind schwarz und tragen schwarze, lange Ledermäntel. Brigitte muss sich in der Tat ordentlich durchgekämpft haben, denn nun steht sie an der Spitze. Der optische Wandel ist für mich ein bisschen zu sehr Sci-Fi Klischee, ansonsten halte ich die übrigen Veränderungen an der Gang für nachvollziehbar. 

Placide führt uns heraus und erzählt uns, dass sich seine Gang nichts gewaltsam in Pacifica angeeignet hätte. Nachdem die Öffentlichkeit das Interesse am Stadtteil verlor, wären seine Leute in die verlassenen Hotels und Malls gezogen. Allgemein scheinen sich die Voodoo Boys mehr um das Wohl der Gemeinschaft zu scheren als etwa der Mahlstrom.

Große längliche, unbemannte Transporter gleiten durch die Luft; einige von ihnen kreisen laut Placide um längst vergessene Bauprojekte. Die Gang hackt sich auf der Suche nach Nützlichem gelegentlich in ihre Systeme und holt sie vom Himmel.

Wir betreten das Foyer eines großen Hotels. Hier haben die Menschen in Pacifica einen florierenden Markt errichtet. Viele überdachte Stände bilden kleine Gassen, die zum Stöbern einladen. Leider sehen wir in der Demo nicht wirklich viel mehr als im Teaservideo. Wir steuern mit Placide einen Stand, der gemischte Waren enthält. Während Placide ein Schwätzchen mit der Verkäuferin hält, werden uns einige Einkaufsmöglichkeiten gezeigt. Die Samurai-Jacke aus dem Vorjahr hat jetzt einen Discount, es gibt allerdings auch haufenweise T-Shirts, Mäntel oder Schuhe, mit denen wir das Aussehen von V individuell gestalten können. Interessant sind auch die Daemons, die man kaufen kann. 

Daemons wurden in der Welt von Cyberpunk 2020 vom legendären Hacker Rache Bartoss entwickelt und man sie sich als eine Art Makro oder Programmkombi vorstellen. Einmal ausgelöst, werden gleich mehrere Netrunner-Programme gestartet. Interessant ist, dass man sie in Cyberpunk 2077 scheinbar wie Gegenstände ausrüsten kann. Wahrscheinlich handelt es sich um Verbrauchsgegenstände wie Potions (im Fantasy-Genre) oder aber um Mods.

Später will man sich von V in Placides Büro ein genaueres Bild machen. Auf dem Tisch liegt ein schwarzer Kasten, bei dem es sich wohl um ein Cyberdeck handeln wird (quasi ein Router für das Net in der Welt von Cyberpunk 2020). Placide will direkten Zugang zu unserem Gehirn und stellt uns vor die Wahl. Basierend auf den unterschiedlichen Charakterklassen und den Hintergründen (wie StreetKid) kann man hier Antworten geben. Während der Mitarbeiter von CDPR die einzelnen Antworten vorliest, merkt man, dass Placide immer unruhiger wird und uns zum Handeln drängt. Da erscheint auch Johnny Silverhand als Geist hinter Placide, der uns quasi dazu nötigt, einzuwilligen.

V willigt ein und bereits eine Sekunde später ist Placide in seinem Kopf. Silverhand scherzt, dass jetzt zwei Geister in ihm herumspuken. Silverhand war als Ex-Soldat und Rockerboy am Ende des vierten Konzernkrieges totgeglaubt, gelangte allerdings als digitaler Geist mit einem eigenen Bewusstsein irgendwann auf den Chip in Vs Kopf. 

Placide entdeckt den geklauten, inaktivierten Unsterblickeits-Neurochip in Vs Gehirn und wir antworten schnell, dass es sich um einen gewöhnlichen Chip handle, der durch eine Patronenkugel inaktiviert wurde. 

Placide scannt weiter und erwähnt so etwas wie einen Geisterschamanen mit Namen Viktor. Damit ist sicher der Ripperdoc aus dem Vorjahr gemeint, zu dem V scheinbar bereits eine besondere Bindung entwickelt hat. Damit wird Viktors Bedeutung erneut unterstrichen, obwohl CDPR letztens noch bestätigte, dass man unterschiedliche Ripperdocs in der ganzen Stadt besuchen kann, um Verbesserungen an der Cyberware durchzuführen.

Placide hält kurz inne als ein Kollege von ihm hereinkommt, um etwas über ein wichtiges Problem nebenan zu berichten. Je nach Hintergrund und Orientierung wäre es laut CDPR hier möglich, Placide darauf anzusprechen oder vielleicht sogar selbst nachzusehen. Der Voodoo Boy vor uns hat jedoch wichtigeres zu tun und ist wohl so zufrieden mit unserem Brainscan, dass wir den Job machen dürfen.

Er schaltet sich fortan virtuell zu unserem Bewusstsein hinzu und sieht bzw. hört alles, was wir erleben. Dabei wird ein bewegtes Icon mit seinem Gesicht links oben im Bild eingeblendet, wenn er zu uns spricht, wie z.B. zuvor T-Bug oder bei einem Anruf von Jackie. 

Eine Einsatzbesprechung erfolgt als nächstes, bei der eine 3D-Karte der Grand Imperial Mall auf dem Bildschirm zu sehen ist. Hier hat sich die Animal Gang verschanzt. Nach einigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den Voodoo Boys ist es aktuell seltsam still geworden. Sie bewachen zudem irgendeinen wichtigen Gegenstand. V soll in die Mall vordringen, die Bedrohungen ausschalten und das Objekt sichern.

Wir verlassen das Gebäude und sehen, wie die Sonne langsam über Pacifica untergeht. An dieser Stelle erwähnt CDPR den dynamischen Tag-/ und Nachtzyklus im Spiel, der sich hier sehr hübsch durch längere Schatten und etwas mehr Wärme auf den kalten Betonbauten bemerkbar macht.